Schockierend schlank - Drastische Kampagne gegen Magersucht 26.09.
Fotograf Oliviero Toscani schockt Italien mit den Fotos einer ausgemergelten Frau. Die drastische Kampagne gegen Magersucht hat im Land heftige Diskussionen ausgelöst.
Oliviero Toscani wollte schockieren, und das ist ihm gelungen. Seine Werbefotos für die Modemarke “Nolita”, die nun auf Doppelseiten der italienischen Tageszeitungen und von riesigen Plakaten in Rom und Mailand prangen, mögen Entsetzen, Mitleid, Abscheu, Beifall und Kritik erregen - eines aber lassen sie nicht: gleichgültig.

Die Bilder des 65 Jahre alten Fotografen zeigen den nackten, blassen, ausgemergelten, von Schuppenflechte gepeinigten Körper einer jungen Frau. Ihre Rippen springen hervor, der greisenhafte Mund steht halb offen, die Wangen sind eingesunken, die großen blauen Augen starren verstört aus tiefen Höhlen. Toscani selbst vergleicht die Ausdruckskraft dieser Fotos mit dem Gemälde “Der Schrei” von Edvard Munch.
Die dargestellte junge Frau, die französische Schauspielerin Isabelle Caro, meint dazu: “Ich weiß, dass mein Körper abstößt. Aber die physischen und psychischen Leiden, die ich durchgestanden habe, geben nur einen Sinn, wenn sie denen helfen, die in die Falle geraten sind, aus der ich mich zu befreien versuche”, schildert die 27 Jahre alte Schauspielerin, die zwischenzeitlich 25 Kilo wog.
Die Effekte der verstörenden Fotos - die pünktlich zur Mailänder Modewoche publiziert werden - sind in Italien umstritten. “Hier geht es um Werbung auf dem Rücken der Kranken”, meint die Psychiatrie-Professorin Emilia Costa, die in der Großklinik Umberto I. in Rom das Zentrum für Ernährungs-Störungen leitet. Statt den Betroffenen zu helfen, könnten die Bilder einen Nachahmungseffekt bewirken.
Modeschöpfer wie Giorgio Armani sowie die italienische Gesundheitsministerin Livia Turco befürworten dagegen die Kampagne der Marke “Nolita”, für die das venezianische Bekleidungs-Unternehmen “Flash&Partners” mehr als fünf Millionen Euro aufwendet. Die Initiative wende sich an ein junges Publikum und sei geeignet, mehr Sensibilität für das “Drama der Magersucht” zu wecken, meint die Ministerin. Sie weiß, dass in Italien Krankheiten wie Bulimie, Fettleibigkeit oder eben Magersucht alarmierend zunehmen.
Quelle: sueddeutsche.de


